Montag, 1. November 2010

Potosí und Sucre

Die Anden-Region in Südbolivien ist nicht nur für ihre Vulkane und Salzseen berühmt, auch die reichen Erzvorkommen haben ihre Spuren hinterlassen. Potosí, die mit 4100m am höchsten gelegene Stadt der Welt, war einst auch die reichste Stadt Südamerikas. Ihr Hausberg, der 5400m hohe Cerro Rico, schaut heute aus wie ein Schweizer Löcherkäse, denn überall bohren und meiseln sich die Mineros in sein Inneres hinein um Kupfer, Silber, Zinn und Zink zu fördern.
Wir wollten uns das genauer anschauen und buchten eine Tour in das Innere der Mine. Nachdem wir ein wenig von der Nachbereitung des Silbererzes gesehen hatten, waren unsere Erwartungen an die Abbaubedingungen schon auf ein Minimum gesunken. Mittels eines Floatingverfahrens wird das Silber vom restlichen Gestein getrennt. Dies geschieht alles im offenen Cyanid-Becken ohne Abzug in kleinen Räumen. Da soll sich noch jemand wundern, warum die Aufsichtspersonen nach 10 Jahren einfach tot umfallen.


Trotzdem haben es die Menschen in der Fabrik immer noch besser getroffen als die Minenarbeiter an sich. Nach der Tour durch die Mine waren wir körperlich geschafft und psychisch am Boden. Solche Bedingungen haben selbst wir nicht erwartet. Wir besuchten einen Minero in seinem Loch. Um dort hin zu gelangen, mussten wir erst einmal lange auf allen Vieren kriechen und viel Staub einatmen. Die Luft war warm, trocken, sauerstoffarm und schwefelhaltig, kurz, es stank wie verrückt und man musste bewusst tief atmen, um ein wenig Sauerstoff abzubekommen. Unter diesen Bedingungen klopfte sich unser Minero mit Hammer und Stemmeisen durch den Stein. Sein Loch war so klein, dass nur eine Person hereinpasste und er bei jedem Hammerschlag stöhnte. Eine seiner Wangen war weit ausgebeult, da er dort seine Cocablätter lagerte, die ihm, zusammen mit 96%-igem Alkohol, Mut zum Arbeiten gaben. 8 – 10 Stunden verbringt er unter diesen Bedingungen täglich. Mit 54 Jahren war er einer der ältesten Mineros im ganzen Berg. Andere sind mit diesem Alter schon längst körperlich verbraucht oder gar tot. Das Durchschnittsalter unter den Mineros liegt bei ca. 45 Jahren. Mit 8 -10 Jahren fangen die Kinder bereits an zu arbeiten.

Wer sich also demnächst einen Silberring kauft, der denke bitte daran, dass der bedauernswerte einsame Mann in seinem Loch unter Tage pro Kilogramm Stein/Erz-Mix gerade 10 - 40 Bolivianos (ca. 1 - 4 Euro), je nach Qualität, bekommt. Davon muss er sich jedoch auch noch sein Werkzeug, Essen und Dynamit kaufen. Wahnsinn, oder??!!
Das geförderte Erz wird dann per Schiene ans Tageslicht gebracht. Dabei müssen 4 junge Kerle einen 2,5t schweren Wagen über reudigste Schienen zerren. Ständig sprang er aus der Spur oder steckte fest.


Nach diesem Schrecken fuhren wir von Potosí in die offizielle Hauptstadt Boliviens und den Sitz des Obersten Gerichtshofes, nach Sucre! Die heimliche Hauptstadt und der Regierungssitz ist ja La Paz. Wie Potosí ist auch Sucre aufgrund der sehr gut erhaltenen Kollonialbauten UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadt ist wunderschön, überall sieht man nette weiße Häuser, die Straßen sind voll von Einheimischen und die Lage ist perfekt ins Gebirge integriert. Hier verbrachten wir fast 3 Tage mit Rumlaufen, auf der Strasse essen, im Mercado Central schlendern und Klettern!

3 Kommentare:

  1. aaaahhhhhh!!!! ixch glaub da unten wär ich jämmerlich verreckt...boar....also falls wir als eheringe silberringe nehmen 8wovon ich jetz mal ausgehe) werd ich an den mann da unten denken ;)

    cyanid ohne abzug??? wieso halten die überhaupt 10 jahre durch?!!! das ist echt eine beachtliche arbeitsleistung. hut ab. das würde hierzulande wohl keiner machen... (dürfen)..

    dann erholt euch mal schön an der frischen luft über tage ;)

    lg karo

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  2. achja^^ chris` bart wär was für kathleen zum dran rum zerren^^ wie beim papa. da hat man kein leichtes leben^^
    freu mich schon euch wieder zu sehen

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  3. Hallo ihr beiden Lieben,

    eure Fotos sind phantastisch! Mike meinte, wir sollten nicht mehr selbst fotografieren sondern uns von Chris die Bilder machen oder schicken lassen....

    Viel Spass weiterhin und
    viele Grüße vom sonnigen Ende der Welt schicken euch Beate und Mike

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