Während Chris sich seinen Berg hochquälte, habe ich die Zeit genutzt die quirlige Stadt La Paz zu erkunden. Da gerade Allerheiligen war (und somit Feiertag, um die Niederkehr der Geister der Toten zu feiern) herrschte überall reges Treiben. Ich schlenderte also über die vielen, vielen Märkteund hätte am liebsten an jeder Ecke angehalten um ein Foto von den Verkäuferinnen zu machen. Doch die vorwiegend indigenen Frauen (Bolivien besitzt bis zu 70% ursprünglich indianische Bevölkerung) lassen sich sehr ungern fotografieren. Vor allem auf dem berühmten Hexenmarkt, wo man gegen jedes Wehwehchen ein Kraut, Lama-Embryos oder Amulette kaufen kann, musste ich mehrmals höflich nachfragen. Neben Souvenirs gibt es über Obst und Gemüse, Schuhe, Kleidung bis hin zu Emaillewaren wirklich alles zu erwerben, was das Herz begehrt. Leider muss jetzt mein Rücken darunter leiden, da mein Rucksack doch etwas an Gewicht zugelegt hat, sprich er platzt aus allen Nähten ;-).
Ein Stadtrundgang durch La Paz, welches übrigens die längste Flugzeuglandebahn, das höchstgelegene Parlament und den höchstgelegenen Golfplatz der Welt sein Eigen nennt, ist zwar an einem Vormittag machbar, aber man kommt bei den Steigungen der Straßen schon ganz schön ins Schwitzen. Zum Glück gibt es überall schattige Plätze zum Ausruhen, vor allem der Hauptplatz mit Kathedrale, Präsidentenpalast und Regierungsgebäude lädt zum Verweilen ein. Von seiner schönsten Seite zeigt sich La Paz jedoch von einem der Ausgucke, von wo man in den Kessel hinunterschaut und im Hintergrund die schneebedeckten Andengipfel sieht. Eben eine Stadt mit besonderem Flair.
Außerdem habe ich noch einen Tagesausflug in die Umgebung gemacht. Zuerst ging es hoch hinauf – auf den Chacaltaya, wo Chris‘ Idee für seinen 6000er entstand. Als ich schnaufend oben ankam, war ich froh mich dagegen entschieden zu haben Chris zu begleiten. Und dabei hatte ich noch Vorteile durch unsere Akklimatisierung (wir waren ja schon seit 1,5 Wochen auf 3000m Höhe) – es waren Brasilianer mit dabei, die 2 Tage zuvor erst hier angekommen sind, die es nicht bis auf den Gipfel (5430m) geschafft haben. Danach gings noch ins Mondtal, eine bizarre Formation aus Sandstein und Lehm, die tatsächlich mondhaft erscheint, aber leider nach und nach der Erosion zum Opfer fällt. Alles in allem habe ich die 2,5 Tage ohne Chris gut überstanden, war aber sehr glücklich als er am nächsten Mittag wieder im Hostel ankam, was mich darin bestätigt, dass Zu-Zweit-Reisen viel schöner ist als alleine.
Nachdem Chris sich wieder einigermaßen erholt hatte, starteten wir zur nächsten großen Tour, nämlich in den Dschungel. Ein kleines Flugzeug für maximal 20 Personen brachte uns in einer halben Stunde von 15 zu ca. 25°C und extremer Luftfeuchtigkeit nach Rurrenabaque. Der Flug an sich war schon ein Highlight, wir flogen direkt über die Anden, die Gipfel zum Greifen nahe und dann urplötzlich war alles grün mit ein paar kleineren Erhebungen malerisch durchbrochen von einem schmalen Fluss. Da wir morgens gegen halb 8 schon angekommen sind, ging es auch gleich am selben Tag mit dem Jeep, 2 Franzosen und 2 Australiern zur Tierbeobachtung los, jedoch nicht direkt in den Dschungel, sondern ins angrenzende Pampasgebiet (baumlos, voll mit Sümpfen). Nach einer 3-stündigen holprigen Autofahrt verfrachteten wir unser Gepäck in einen kleinen Kahn, der uns langsam zur Unterkunft für die nächsten beiden Tage schipperte. Und dabei gabs viel zu sehen: tausend Kaimane, die um uns herumschwammen, ganz viele Wasservögel, Schildkröten, Affen und Capiwaris, wie schwanzlose Wildschweine aussehende Fluss-Säugetiere, die es nur hier im bolivianischen Dschungel gibt. Ach und natürlich schwirrten Millionen Mücken um uns herum – zum Glück war unsere kleine Holzhütte mit Mosquitonetzen ausgestattet, aber diese Mistviecher haben es trotzdem irgendwie geschafft uns zu zerstechen.
Nachts hat es übrigens wie aus Eimern geschüttet und genau zum Aufstehen wie bestellt aufgehört. Mit Gummistiefeln ausgerüstet (die mir dank 2 Löcher trotzdem nasse Füße verschafften) ging es nach dem Frühstück auf Anakonda-Suche im Sumpfgebiet. Normalerweise schwimmen sie bei Sonnenschein relativ nah an der Wasseroberfläche um sich zu sonnen, da es aber immer noch bewölkt war, mussten wir im angrenzenden Wald nach denen weitersuchen, die es sich schon wegen der Regenzeit in großen Baumlöchern bequem gemacht haben. Nach 2 Stunden wurden wir dann endlich fündig und konnten einen kurzen Blick auf die Schlange werfen.
Danach gings zum Mittagessen und zur Siesta in den Hängematten (mit idyllischem Blick auf den Fluss) zurück zur Lodge und am Nachmittag machten wir uns auf unser Abendessen zu fangen. Mit kleinen Angeln versehen, wollten wir eigentlich Piranhas fangen, aber irgendwie sind uns nur Catfish an den Haken gekommen. Und zum Sattwerden für 6 Mann hat es auch nicht wirklich gereicht, aber es ist ein tolles Gefühl seinen selbst gefangenen Fisch zu essen. Am letzten Tag sind wir früh am Morgen zum Flussdelfin-Schauen wieder mit dem Boot losgefahren und Mutige konnten mit ihnen bzw. mit den tausend Krokodilen schwimmen gehen. Keine Angst, die Jumping-Crocodile-Tour in Australien hat uns geprägt, und wir haben uns die pinken Delfine lieber vom sicheren Boot aus angeschaut. Nur leider waren sie so schnell, dass noch nicht mal Chris sie vor die Linse bekommen hat. Dann war es auch schon wieder so weit die lange Heimfahrt anzutreten. 20 Kilometer vor dem Ziel blieb der Jeep jedoch plötzlich stehen und wir hatten uns schon auf eine lange Warterei eingestellt, doch unser Fahrer stellte sich als Buschmechaniker heraus und entdeckte den Übeltäter sehr schnell. Der Benzinfilter war komplett verstopft, da in Bolivien scheinbar eine ganze Menge zugemischt wird und nach einer groben Reinigung konnten wir wieder aufspringen. Fazit: Es war ein sehr schöner Ausflug, aber wir saßen unserer Meinung nach ein bisschen zu lange im Boot und wären lieber mehr gelaufen. Wir sind aber nach dem Jahr wahrscheinlich auch schon ein bisschen verwöhnt – auf jeden Fall hat uns die Dschungelexpedition in Thailand vor 4 Jahren viel besser gefallen.
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