Halli Hallo und herzlich willkommen! In diesem Blog werden wir, Katja und Chris, versuchen ab und zu einen kleinen Reisebericht zu veröffentlichen, sodass die liebe Welt erfährt, was wir in ihr selbst für tolle Erfahrungen machen durften! Viel Spass beim Lesen und Träumen! Katja und Chris.
Sonntag, 1. August 2010
Kaka-ich oder Kaka-du
Unser Drang die Wildnis Australiens weiter zu erkunden, führte uns nach 2 Stadttagen wieder in die ländliche Gegend in Richtung Kakadu Nationalpark. Auf dem Weg machten wir Halt für eine besondere Bootsfahrt, dem Jumping Crocodile Cruise, den wir beide wohl so schnell nicht mehr vergessen werden. Alle Wasserreservoirs in der Umgebung werden von Salzwasserkrokodilen besiedelt und 3 Touranbieter haben es sich zur Aufgabe gemacht diese gefährlichen Kreaturen zu füttern und Touristen mit springenden Krokos zu begeistern. Die zwischen 3 und 6 Meter großen Reptilien können tatsächlich ihren kompletten (bis zu mehrere hundert Kilogramm schweren) Körper aus dem Wasser hiefen um einen Fleischbatzen an der Angel zu ergattern. Unser „Captain“ hat die Angel teilweise so nah ans Boot gehalten, dass mehrere Krokos beim Fallen auf die Reeling aufgeschlagen sind – die war aber zum Glück so hoch, dass nichts passieren konnte. Und wie schnell sich diese Kolosse bewegen können, ist einfach nur unglaublich. In freier Wildbahn möchte ich denen nicht begegnen, aber wer hier ins Wasser geht, ist selber Schuld – an jedem noch so kleinem Tümpel ist ein Warnschild aufgestellt.
50km später waren wir im Kakadu NP, dem größten Nationalpark Australiens (ca. 25.000 km2, so groß wie Wales). Er wurde übrigens nicht nach den Papageien, sondern nach einem Aboriginie-Volk benannt, was hier vor dem Eintreffen der Weißen lebte und durch die Einführung von „weißen“ Krankheiten wie Grippe, Masern, Pocken usw. vollkommen ausgerottet wurde - den Gugudjus. Die Gugudjus waren aber nur einer von vielen Clabs im Gebiet und die benachbarten Stämme haben die Obhut über deren Land übernommen und es der Regierung geleast, unter der Bedingung Mitspracherecht in der Verwaltung zu haben. Insgesamt gibt es 6 verschiedene Landschaften im Park: Küste, Sumpfland und die Flüsse, Regenwald, Savanne und Felsland.
Diese geologische Vielfalt zieht unglaublich viele Tiere, vor allen Dingen Meeres- und Luftbewohner wie Spreitfuß-Gänse (magpie gooses), schwarzköpfige Störche (Jabirus), Weißkopf-Seeadler, weiße Reiher (Herons, Egrets), Schildkröten, Schlangen, Echsen und unzählig viele Fische, an. Genau dieses reichliche Essensangebot und das Vorhandensein von vielen Felsvorsprüngen, die Schutz vor dem Regen bieten, hat das Gebiet für Aboriginies attraktiv gemacht.
Wir hatten hier die einmalige Chance uns die Technik von 2 Aboriginie-Künstlern im traditionellen Malen abzuschauen und uns selbst auszuprobieren. Bei verschiedenen Ranger-Führungen und Walks haben wir die Landschaften bzw. die Lebensweise und Kultur der hiesigen Aboriginies ein bisschen näher kennengelernt - z.B die Sprachen (es gab einmal über 200 verschiedene Aboriginal-Sprachen), die Jagdmethoden (Speere und Netze – Boomerangs und Schleudern wurden hier nicht verwendet, da zu viele Bäume im Wurfgebiet standen; sie schmieren sich mit weißem Lehm ein, damit die Tiere den menschlichen Geruch nicht wahrnehmen), die Beziehung zur Natur (dass alles durch mythische Wesen, wie der Regenbogenschlange oder dem Lichtmann – für Blitz und Donner – geschaffen wurde, die an heiligen Plätzen ihre Ruhe fanden und auf keinen Fall gestört werden dürfen, sonst passiert großes Unheil) oder ihre Kunst. Heutzutage wird für die „weißen“ Touristen vorwiegend auf Leinwand gemalt, früher vor allen Dingen auf Rinde und Fels. Hier sind noch sehr viele dieser Felsmalereien erhalten geblieben, wobei jede ihre eigene Geschichte erzählt. Die Geschichten wurden von den weisen Stammesältesten an die nächste Generation weitergegeben, aber immer nur stückchenweise und nur an Initiierte, d.h. Teenager, die das (für uns Europäer brutale, für Aboriginies normale) Initiationsritual, eine Art „Jugendweihe“, hinter sich gebracht haben. Und alles streng geschlechterspezifisch, da Mann und Frau unterschiedliche Aufgaben haben. Die Männer waren für das Jagen (Kängurus, Fledermäuse, Schildkröten, Fische, Wasserbüffel, Schlangen...), Feuermachen, Werkzeuge bauen und die Felsmalereien verantwortlich und die Frauen für das Sammeln von Bushtucker (wie Johannisbeeren, Honig, Wasseräpfel, Yam-Wurzeln, Muscheln, Wasserlilien, also all das, was Mutter Natur an Essbarem hervorbringt), die Essenszubereitung, die Erziehung oder das Weben von Körben und Matten aus Palmenblättern. Nicht nur die Aufgaben sind streng verteilt, sondern auch das Miteinander ist streng geregelt. Es gibt insgesamt 8 verschiedene Zugehörigkeitsgruppen (die jeder Aboriginie von der Mutter erbt) und alle Mitglieder dergleichen Gruppe sind Bruder und Schwester. Ab dem Teenager-Alter ist es verboten mit dem Bruder oder der Schwester bzw. der Schwiegermutter oder dem Schwiegersohn zu reden (um Frieden zu bewahren) bzw. innerhalb der Gruppe zu heiraten. Die Missachtung der Gesetze kann zu großem Unheil führen und kann mit dem Ausschluss aus der Gemeinschaft bestraft werden.Das ist für Aboriginies die größte Strafe überhaupt, da sie von kleinauf gewohnt sind in einer Großfamilie zu leben. Auch Tiere und Pflanzen gehören zur Familie bzw. den Zugehörigkeitsgruppen. Am meisten fasziniert bin ich von der Sichtweise und dem Umgang mit der Natur – die Aboriginies haben ihr Leben danach ausgerichtet, z.B. gibt es eine Art Naturkalender mit insgesamt 6 verschiedenen Jahreszeiten, wobei das Blühen oder Verblühen bestimmter Pflanzen oder das Auftauchen bestimmter Tiere im Gebiet den Wechsel der Jahreszeiten anzeigt. Auch das Abbrennen bestimmter Gebiete gehört dazu, damit danach alles besser wachsen kann und bestimmte Gebiete vor den „großen“ Waldbränden geschützt ist (denn was einmal gebrannt hat, brennt so schnell nicht wieder).
Es ist wirklich eine Schande, dass diese Kultur dank der „weißen Männer“ kurz vor dem Aussterben ist und viele dieser Dinge in Vergessenheit geraten bzw. schon sind. Das Volk der Aboriginies musste wirklich viel Leid ertragen - sie wurden gejagt, zu harter Arbeit ohne Entlohnung gezwungen, ihr Land wurde ihnen weggenommen und als britisches Eigentum erklärt, sie mussten oft mehrmals umsiedeln und ihre Kinder wurden ihnen ebenfalls weggenommen, um sie in einer Mission christlich zu erziehen. Und alles nur um Gefangene hierher zu schaffen. Zum Glück gibt es noch ein paar Gebiete hier in Australien, wo Aboriginies ihr eigentliches Leben weiterführen können – bis auch dort Uranium, Eisenerz, Kupfer, Zink, Erdöl oder was auch immer gefunden wird. Und für die anderen Aboriginies ist zu hoffen, dass sie sich endlich in die westliche Welt integrieren, wie jeder andere Australier zur Schule gehen, einen Beruf erlernen und dabei trotzdem ein paar Werte ihrer Kultur beibehalten können.
Ach und noch eine Anmerkung der Boettcherchen/Hupelchen Redaktion: Welcher Halunke behauptet hier, wir schreiben vom Reisefuehrer ab??? Gib deinen Namen preis und stell dich der oeffentlichen Steinigung. ;-)
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Hallo Ihr Zwei,
AntwortenLöschensehr schöner Blog! Der letzte Eintrag ist besonders gut, leider erging es den Aboriginies nicht anders als anderen 'Naturvölkern'. Eigentlich sogar noch schlimmer, da ihre 'Entdecker' sie nicht als Menschen erkannten, sondern den Affen zuordneten. Auch wenn ich noch nicht in Australien war, haben mich schon die Geschichten über sie beeindruckt, wenn nur ein Bruchteil davon wahr ist, sind es fantastische Menschen!
Ich wünsche euch noch viele schöne Erlebnisse
Liebe Grüße aus Jena
Sabine
Sehr schöner blog
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