Leider haben wir Patagonien schon wieder verlassen, als wir uns in den Nachtbus in Richtung Buenos Aires gesetzt haben, doch die Erinnerungen an die vergangenen Tage sind zum Glück noch ganz frisch. Die Provinzen „Santa Cruz“ und „Tierra del Fuego“ sind mit einer Bevölkerungsdichte von unter einer Person pro qkm extrem dünn besiedelt (zum Vergleich Deutschland hat das 250fache davon) und mit kaum Vegetation „gesegnet“. Außer der patagonischen Steppe mit ein paar Büschen und ein wenig Gras wächst hier nicht viel. Was trotzdem viele Reisende in diese gottverlassene Gegend treibt, sind die Nationalparks „Torres del Paine“ (Chile) und „Parque de los Glaciares“ (Argentinien), die mit bombastischen Landschaften protzen.
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Drei Tage verbrachten wir im Nationalpark „Torres del Paine“. Wir liehen uns ein Zelt aus, um den hohen Preisen der Berghütten zu entfliehen und wanderten einfach drauf los. Gleich die erste Tour zum Aussichtspunkt der berühmten „Las Torres“, drei Granitfelsen, die senkrecht über der Landschaft drohnen, hatte es ganz schön in sich. Von sturmartigen Böen wurden wir beim Laufen ganz schön durchgeschüttelt und einmal wehte uns eine Böe sogar um. Plötzlich lagen wir beide auf der Seite und schauten dumm aus der Wäsche. Den 10 km langen Aufstieg zum Ausguck auf 950m meisterten wir jedoch mit Bravour und genossen die freie Sicht auf die Felsen und den davor liegenden, vereisten See
Die darauffolgenden zwei Tage wurden noch interessanter, denn der Wettergott machte es uns auch hier nicht leicht. Wahrscheinlich schloss er sich an diesen Tagen sogar mit Poseidon und der Klosterfrau Mellisengeist zusammen um uns mal so richtig zu fordern. Mit Sturmböen von vorn und waagerechtem Regen ging uns diese 4 Stunden-Wanderung ganz schön an die Substanz und das Wasser flatschte mir bei jedem Schritt zwischen den Zehen herum. Jetzt weiß ich auch, wozu diese Löcher in meinen Stiefeln nicht gut sind. Kurz vor der Dämmerung erreichten wir die Refugio Grey und den daneben gelegenen gleichnamigen Gletscher. Dieser ist der erste Part des riesigen Inlandgletschergebietes, der größten zusammenhängenden Eisfläche außerhalb der Pole. Den Abend verbrachten wir im Mindestabstand zum Holzfeuerofen, trockneten unsere Kleidung und schwatzten mit Erlyn und Karin – zwei holländischen Wanderskumpelinen! Am Tag drauf ging´s die 4 Stunden zurück (diesmal mit Rückenwind) und dann endlich ins warme Hostel nach Puerto Natales zum Trocknen.
Nach dieser Eskapade beim Wandern, hatte uns der Wettergott wieder lieb und bescherte uns beim Besuch des Gletschers „Perito Moreno“ fabelhaftes Bilderbuchwetter. Einen Gletscher hatten wir ja schon in Neuseeland gesehen und auch bestiegen, doch dieser Riesenapparat, der hier vor uns lag, verschlug uns vollkommen die Sprache. Mit 30 km Länge und einer Breite von mehreren Kilometern ist er nicht einmal der größte Gletscher des Gebietes „Los Glaciares“, aber einer der schönsten!
Vom Aussichtspunkt auf der anderen Seite des Sees hatte man einen traumhaften Blick auf die Flanke des Eises, welche sich pro Tag um ca. 2 Meter nach vorn schiebt. Dass dabei unheimliche Kräfte auf das Eis wirken und es ständig zu Eisabbrüchen kommt, kann man sich da leicht vorstellen. Wir hatten das Glück die Geburt eines Eisberges aus nächster Nähe zu beobachten. Ein gigantisches Erlebnis! Es klingt, als wenn eine Waffe abgefeuert wird, gefolgt von wildem Donnergrollen und einer ganz schön großen Flutwelle.

Die Tierwelt auf unserem Planeten ist wirklich einzigartig und hat es auf alle Fälle verdient überall gewürdigt und geschützt zu werden. Wer einmal einen Wal, Delfin, Pinguin oder Robben gesehen hat, der weiß, wie toll und überlegen uns diese Geschöpfe in ihrem Element sind und wie sehr wir Menschen aufpassen müssen, ihnen nicht ihren Lebensraum zu zerstören! In diesem Sinne...esst mehr Gemüse und lasst die Finger von Fish ‘n Chips!

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