Sonntag, 17. Oktober 2010

Schönes Patagonien

Leider haben wir Patagonien schon wieder verlassen, als wir uns in den Nachtbus in Richtung Buenos Aires gesetzt haben, doch die Erinnerungen an die vergangenen Tage sind zum Glück noch ganz frisch. Die Provinzen „Santa Cruz“ und „Tierra del Fuego“ sind mit einer Bevölkerungsdichte von unter einer Person pro qkm extrem dünn besiedelt (zum Vergleich Deutschland hat das 250fache davon) und mit kaum Vegetation „gesegnet“. Außer der patagonischen Steppe mit ein paar Büschen und ein wenig Gras wächst hier nicht viel. Was trotzdem viele Reisende in diese gottverlassene Gegend treibt, sind die Nationalparks „Torres del Paine“ (Chile) und „Parque de los Glaciares“ (Argentinien), die mit bombastischen Landschaften protzen.
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Drei Tage verbrachten wir im Nationalpark „Torres del Paine“. Wir liehen uns ein Zelt aus, um den hohen Preisen der Berghütten zu entfliehen und wanderten einfach drauf los. Gleich die erste Tour zum Aussichtspunkt der berühmten „Las Torres“, drei Granitfelsen, die senkrecht über der Landschaft drohnen, hatte es ganz schön in sich. Von sturmartigen Böen wurden wir beim Laufen ganz schön durchgeschüttelt und einmal wehte uns eine Böe sogar um. Plötzlich lagen wir beide auf der Seite und schauten dumm aus der Wäsche. Den 10 km langen Aufstieg zum Ausguck auf 950m meisterten wir jedoch mit Bravour und genossen die freie Sicht auf die Felsen und den davor liegenden, vereisten See
Wir hatten Glück, denn oftmals verstecken sich die Berge gerne in dichten Nebelwolken. Auf dem Weg wäre ich beinahe noch mit einem seltenen Andenhirsch („Huemul“ genannt) kollidiert, der mitten auf dem Weg stand und so gar nicht scheu war. Dafür war ich um so mehr erschrocken. Nach 7 Stunden kamen wir wieder beim Zeltplatz an und bereiteten uns auf eine stürmige Nacht vor. Alles ging gut, bis um 3 Uhr morgens der Wind dermaßen am Zelt zerrte, dass er kurzerhand eine Leine aus der Zeltwand herausriß. Unreparabel! Wir flüchteten uns in die Sanitäreinrichtung und schlugen dort unser weiteres Nachtlager auf...und auf dem Klo kann man doch gut schlafen!

Die darauffolgenden zwei Tage wurden noch interessanter, denn der Wettergott machte es uns auch hier nicht leicht. Wahrscheinlich schloss er sich an diesen Tagen sogar mit Poseidon und der Klosterfrau Mellisengeist zusammen um uns mal so richtig zu fordern. Mit Sturmböen von vorn und waagerechtem Regen ging uns diese 4 Stunden-Wanderung ganz schön an die Substanz und das Wasser flatschte mir bei jedem Schritt zwischen den Zehen herum. Jetzt weiß ich auch, wozu diese Löcher in meinen Stiefeln nicht gut sind. Kurz vor der Dämmerung erreichten wir die Refugio Grey und den daneben gelegenen gleichnamigen Gletscher. Dieser ist der erste Part des riesigen Inlandgletschergebietes, der größten zusammenhängenden Eisfläche außerhalb der Pole. Den Abend verbrachten wir im Mindestabstand zum Holzfeuerofen, trockneten unsere Kleidung und schwatzten mit Erlyn und Karin – zwei holländischen Wanderskumpelinen! Am Tag drauf ging´s die 4 Stunden zurück (diesmal mit Rückenwind) und dann endlich ins warme Hostel nach Puerto Natales zum Trocknen.
Nach dieser Eskapade beim Wandern, hatte uns der Wettergott wieder lieb und bescherte uns beim Besuch des Gletschers „Perito Moreno“ fabelhaftes Bilderbuchwetter. Einen Gletscher hatten wir ja schon in Neuseeland gesehen und auch bestiegen, doch dieser Riesenapparat, der hier vor uns lag, verschlug uns vollkommen die Sprache. Mit 30 km Länge und einer Breite von mehreren Kilometern ist er nicht einmal der größte Gletscher des Gebietes „Los Glaciares“, aber einer der schönsten!
Am meisten faszinierte uns die blaue Färbung des Eises, die sich vor allem in den vielen Rissen und Kanten zeigte. Auf einer kleinen 2-stündigen Tour wanderten wir über das Eis, mit Klettereisen ausgerüstet, damit wir nicht in einer der blauen Schluchten verschwinden und 1000 Jahre später als Ötzi von Argentinien wieder aufgetaut werden. Zum Schluss der Tour gab es sogar noch einen Whisky mit Gletschereis gegen die Kälte.
Vom Aussichtspunkt auf der anderen Seite des Sees hatte man einen traumhaften Blick auf die Flanke des Eises, welche sich pro Tag um ca. 2 Meter nach vorn schiebt. Dass dabei unheimliche Kräfte auf das Eis wirken und es ständig zu Eisabbrüchen kommt, kann man sich da leicht vorstellen. Wir hatten das Glück die Geburt eines Eisberges aus nächster Nähe zu beobachten. Ein gigantisches Erlebnis! Es klingt, als wenn eine Waffe abgefeuert wird, gefolgt von wildem Donnergrollen und einer ganz schön großen Flutwelle.
Auf zur letzten Station im wunderschönen Patagonien. Nach 20 Stunden im Nachtbus strandeten wir in Trelew, einem Kaff irgendwo zwischen Buenos Aires und Feuerland. Hier gibt es soweit nichts Besonderes, wenn man von der größten Pinguinkolonie außerhalb der Antarktis absieht. Rund eine halbe Million Exemplare treiben hier ihr Unwesen und watscheln wie auf Eiern durch die Gegend. Man kann sich direkt in die Mitte der Meute stellen und ist von diesen kleinen, rund 50 cm hohen Magellan-Pinguinen umzingelt. Scheu sind sie nicht, aber wenn man ihnen bei ihren Lauf-Stolper-Versuchen zuschaut, könnte man sich biegen vor Lachen. Ihre Nester haben diese süßen Wesen nahe am Wasser im Untergrund gebaut und dort hocken sie derzeit und brüten abwechselnd ihre Eier aus. Eine gleichberechtigte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau! Jeder muss eine Schicht Körperwärme an die Eier abgeben und danach für reichlich Nahrung aus Ariels Aquarium sorgen. Dafür bekommt jeder auch das gleiche Gehalt und den gleichen Anspruch auf Urlaubstage. So gerecht kann die Welt sein!

Neben den Pinguinen gibt es in Patagonien noch viele weitere interessante Tierchen, die auf den Schafweiden oder in den Andenausläufern herumkräuchen. Ein überall vertretener Gast ist das Guanaco, ein lama-ähnliches Tier mit tollem Fell und Hang zum Herumspringen und natürlich zum Spucken. Auch Füchse, Dachse, Hasen (die keine sind und wie ein Kangaroo hopsen) und jede Menge Raubvögel kann man sehen. Leider haben wir keinen Puma gesehen und auch die Orcas sind uns durch die Lappen gegangen. Dafür haben wir heute einen rießigen Wal vor der Pinguinküste streifen sehen.
Die Tierwelt auf unserem Planeten ist wirklich einzigartig und hat es auf alle Fälle verdient überall gewürdigt und geschützt zu werden. Wer einmal einen Wal, Delfin, Pinguin oder Robben gesehen hat, der weiß, wie toll und überlegen uns diese Geschöpfe in ihrem Element sind und wie sehr wir Menschen aufpassen müssen, ihnen nicht ihren Lebensraum zu zerstören! In diesem Sinne...esst mehr Gemüse und lasst die Finger von Fish ‘n Chips!

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