
Juchu, nach langem Suchen haben wir endlich eine Wwoofing-Farm für uns gefunden. Wwoofing heißt willing workers on organic farms, was soviel bedeutet, dass wir bei allen anstehenden Farmarbeiten mithelfen und dafür kostenlos Wohnen und Essen dürfen. Seit letztem Samstag wohnen wir in unserer eigenen kleinen Hütte (sogar mit separater Küche plus Bad) bei Andrew und Mel. Zur Farm gehören Baby Oliver, die Kinder James und Jasmine, 3000 Schafe, 500 Rinder, 50 Hühner, 1 Hahn, die 4 Jagdhunde Blue, Bow, Raida und Hook, ein paar Possums und auch ein paar schwarze Schlangen.
Wir haben uns von Anfang sehr wohl und herzlich willkommen gefühlt, wahrscheinlich auch, weil wir sofort von den Kiddies ins Herz geschlossen wurden – endlich mal wieder jemand zum rumtoben. Unsere erste größere Aufgabe war beim Schafscheren mitzuhelfen. Chris war dafür zuständig die Beine festzuhalten, sodass Andrew in Ruhe das Fell abscheren konnte und ich hab mich danach um die Wolle gekümmert, d.h. sie zurecht gelegt und sie vom Dreck befreit. Insgesamt haben wir 7 Schafe geschoren, die restlichen sind in ein paar Tagen an der Reihe, wenn ein professioneller Sheep Sheerer vorbeikommt.

Es war ein sehr lustiger Vormittag und wir Stadtkinder haben viel über die verschiedensten Sorten von Wolle gelernt. Danach gings für die Schafe ab in den Stall - normalerweise weiden sie auf einem der Felder auf dem 350 Hektar großem Grundstück, aber auch im australischen Winter gibt es Morgenfrost. Außerdem haben wir beim Pflanzen von verschiedenen Gemüsesorten und Büschen geholfen, einen Komposthaufen angelegt, eine Rümpelhütte ausgeräumt, im Garten die Überreste vom Baumfällen entfernt, Holz gehackt (hier wird nämlich auf einem Holzofen gekocht), nach den Schafen und Rindern geschaut, Hühner gefüttert... Die letzten 3 Tage waren wir sogar allein hier auf der Farm – Andrew und Mel mussten ins 6 Stunden entfernte Newcastle und wir haben den Hof geschmissen. Eigentlich hat es sich eher wie Ferien auf dem Bauernhof angefühlt, wir sind mit dem Quad bzw. dem Crossmotorrad herumgedüst, die 4 Hunde immer bei uns und haben es uns abends vor dem Kamin gemütlich gemacht. Und heute haben wir das ultimative Highlight unseres Aufenthaltes hier erlebt - wir durften beim Impfen der Schafe gegen Würmer und Tetanus mithelfen. Zuerst mussten wir sie mithilfe der Hunde und des Motorrades in dafür vorgesehene Gatter scheuchen (das war gar nicht so einfach) und dann habe ich einem wehrlosen Schaf meine erste subkutane Impfung verpasst. Chris musste die Schafe festhalten und ich hab in die Hatfalten im Nacken gepikst, so an die 1000 Mal. Leider haben 4 Schafe den Stress nicht überlebt und wurden von den anderen totgetrampelt, da gibts heute abend wohl ein Schafgericht zum Essen. Ich glaube wir haben wirklich einen guten Fang mit unseren Gastgebern gelernt, wir genießen das Landleben und erfahren ganz viel über Permaculture, eine ausschließlich natürliche Anbauweise, die auf jegliche Chemikalien verzichtet. Die nächste Siedlung(Deepwater, NSW) ist 15km entfernt, die nächstgrößere Stadt (Glenn Innes, NSW) 50km, sodass die Familie einmal aller 2 Wochen zum Einkaufen fährt. Der Rest wird selbst angebaut, vor allem Gemüse, im Sommer dann auch Obst - Eier und Fleisch sind ja in Unmengen vorhanden. Ich hoffe, dass wir noch in den Genuss kommen beim Schlachten dabei zu sein. Heute regnet es gerade so sehr, dass der nahe Bach dermaßen anschwoll, dass wir hier ersteinmal gefangen sind. Mal schauen, was in den nächsten noch so passiert, wir halten euch auf jeden Fall auf dem Laufenden. Bis bald. Eure Katja und euer Chris

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