Der große Vorteil einer selbstorganisierten langen Reise ist, dass man selbst entscheiden kann, wie viel Zeit man hier und dort verbringen möchte. Dies bescherte uns beim Kings Canyon und in den weiteren Tagen einige sehr ruhige und massentourismus-freie Momente an den schönsten Ausblicken und Sehenswürdigkeiten die das Outback zu bieten hat. Während die Reisebusse nur die kleine Wanderung in den Kings Canyon zuließen und alle dachten, das von den unteren Aussichtsplattformen Gesehene war schon alles, machten wir den sogenannten Rimwalk an der Kante des Canyons entlang und konnten im Garden Eden traumhaft baden gehen. Hier macht die Schlucht eine von Vorn nicht einsehbare Kurve und ist mit Palmen, Pflanzen und einem Wassergraben gefüllt. Eine wirklich schöne Wanderung führte uns vorbei an vielen bizarren Felsgebilden und tollen Ausblicken von oben in den 280m tiefen, senkrechten Canyon. An dieser Stelle war auch etwas Schwindelfreiheit gefragt, denn es gab weden Zäune noch irgendetwas zum Festhalten an der Kante des Canyons. Hier setzen die Australier ganz einfach auf den Verstand der Touristen.
Der Uluru, der Ayers Rock (auf Aboriginie: „Schattenplatz“), stand natürlich auch auf unserem Programm, doch möchten wir hierzu nicht viel schreiben. Natürlich machten wir Sonnenauf- und -untergangsbilder, bestaunten seine rote Färbung bei tiefstehender Sonne und umrundeten ihn komplett zu Fuß, was eine schöne mittlere Tageswanderung darstellte. Hier trafen wir auch Sören und Nadine aus dem schönen Erzgebirge ("Arzgbirg" auf arzgebirgisch), verbrachten mit ihnen einen coolen Tag und machten viele phantastische Bilder. Doch denken wir, das ein anderer Ort ungerechtfertigt im Interessenschatten des Uluru steht – die Olgas! Diese Felsformationen stehen 40km entfernt und sind auf die gleiche Art und Weise wie der Uluru entstanden. Anfangs waren beide ein riesiger Sandsteinfels, der mit der Zeit aus der Ebene herauserodiert wurde. An den Olgas, offiziell "Tata Tjuta" genannt, was soviel wie „viele Köpfe“ bedeutet, wanderten wir zu dem „Valley of the winds“ und waren völlig verzaubert von dessen Schönheit. Das Tal schlängelt sich zwischen diesen riesigen Felsbuckeln durch, die die Form von Mohrenköpfen hatten und wird von einer üppigen Vegetation begleitet. Das im Zusammenwirken mit einem genialen Spiel von Licht und Schatten brachte mir beim Photographieren tatsächlich eine Gänsehaut und beinahe Pipi in den Augen. Auch alle weiteren Ausblicke und Panoramen, die sich uns an diesem Tage boten, waren extrem toll und machten die 8km Wanderung zum Kinderspiel und Fotokurs. Insgesamt war es bisher die schönste, interessanteste und spannendste Zeit unserer Reise. Das Outback hat für jeden etwas zu bieten, außer man mag keine Hitze, Trockenheit, Abgelegenheit, Staub in den Augen, im Auto, in der Unterhose (und überall sonst auch) und eine unendlich erscheinende Fahrerei. Aber wer mag das nicht!? Nun befinden wir uns auf dem Weg in Richtung Western Australia mit der Hauptstadt Perth. Das wird wiederum eine lange Reise denn erstmal müssen wir zurück zur Südküste nach Port Augusta und von dort durch den halben Kontinent in Richtung Westen. Wir hoffen, unsere Interesse an öder Natur hält noch ein paar Tage an...


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen