Dienstag, 11. Mai 2010

Outback vs. Kultur

Zwischen all dem Wandern und Steine-Anschauen  musste nun auch mal Zeit für Kultur sein. Da Australiens Geschichte im Vergleich zur Geschichte Europas so kurz ist wie das morgentliche Brötchenholen in Verhältnis zum 5-Wochen-Urlaub, beschränkte sich unser Kulturprogramm auf ein Pferderennen mit gleichzeitiger Fashion-Show in Alice Springs. Also zogen wir uns das schickste Outfit an, was unser Rucksack hergab und stürzten uns in die Menge. Wir Zwei waren dort, um die Rennpferde um die Wette galoppieren zu sehen, doch die Mehrheit der Besucher war einfach nur dort um gesehen zu werden. Es war ein bisschen wie bei einer Balz – jede Frau versuchte mit ihrer Hutpracht alle anderen ihrer Gattung zu übertrumpfen und mit den höheren Stöckelschuhen im Sand zurecht zu kommen. Die Männer trugen trotz 35 °C Jackett und Schlips bis oben geschlossen. Volkssport Numero 1 von Australien ist das Trinken von Hochprozentigem bei solch heißem Wetter, dicht gefolgt vom Wetten auf Dinge aller Art! Nach jedem Zieleinlauf der Rennpferde sah man viele traurige Gesichter und irgendwo in der Menge auch ein jubelnde Person. Auch das Rentnerehepaar, welches uns die Wettregeln und das Pferderennen etwas näherbrachte, hatte an diesem Tag kein großes Glück. Für uns war es auf alle Fälle sehr interessant und nach dem Rodeo im den Snowy Mountains und dem Footballspiel in Melbourne ein weiterer Einblick in die Freizeitbeschäftigung des gemeinen Australiers.


Sorry, das war so vielleicht nicht ganz richtig! Die Geschichte Australiens übertrifft in ihrer Länge sogar die Europas. Die Aboriginies belagerten die Uluru-Region beispielsweise schon vor 22000 Jahren! Da wussten die Europäer noch nicht einmal, wie ein Kreuz zusammengenagelt wird! Gelernt haben wir slch interessante Informationen bei sogenannten Ranger-Talks, also kleineren Wanderungen mit Erläuterung durch den hießigen Ranger, am Uluru. Durch Kooperationen zwischen australischen Rangern und einheimischen Aboriginies wird heutzutage unter anderem der Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark geleitet. Dabei geben die Einwohner ihr Wissen über Waldbrände, die Nutzung der Natur und über die Tiere an jüngere Generationen und die einwanderer weiter und sorgen damit dafür, dass ihre Kultur nicht vollständig ausstierbt. Erst seit einigen wenigen Generationen breitet sich die „modernere Welt“ hier unten in der Ecke der Welt aus, was auf die Kultur der Aboriginies extreme Wirkung hatte. Allen wurde das Land entzogen, viele wurden getötet und viele leiden heute unter Krankheiten, die es vor der Besiedlung des Roten Kontinents gar nicht gab. Das Schlimmste für uns ist, dass viele Australier das bis heute noch nicht einsehen und ununterbrochen über die Ureinwohner schimpfen - dabei sind indirekt sie es gewesen, die diese Situation herbeigeführt haben. Mit mehr Intigrität und Verständniss wäre einiges besser geworden. Man schaue da nur zu den Maori nach Neuseeland herüber!   


Eine sehr schöne Sache möchten wir nicht vermissen zu erwähnen. Hier im Outback gibt es Familien, die so weit vom nächsten Dort entfernt wohnen, dass sie völlig abgeschnitten sind und im Notfall hunderte Kilometer durch den Busch fahren müssten. Auch die Erziehung der Kinder dieser Familien stellt ein weiteres Problem dar. Für beide Probleme gibt es eine passende Lösung – den „Royal Flying Doctor Service“ (RFDS) und die „School of Air“. Der RFDS ist mit seinen Flugzeugen für fast die komplette Fläche Australiens zuständig und versorgt vorzugsweise Notfälle im Outback. Teils haben die Familien ihren eigenen kleinen Flughafen oder die Outback-Straßen müssen für eine Landung herhalten. Wir hatten das Glück in Port Augusta in eines der Flugzeuge hereinschauen zu dürfen und konnten mit einem Arzt reden, der uns auch die Station und das Equipment zeigte. Während unserer Tour wurde ein Notruf empfangen und die Piloten mussten starten.
Die School of Air ist nach dem Vorbild des RFDS entstanden und versorgt von Alice Springs aus etwa 137 Kinder, die bis zu 1700km voneinander entfernt wohnen. Über Satellit, Internet, Funk und Post bekommen die Kinder ihre Hausausgaben und das Lehrmaterial. Zu unserem Besuch lief gerade eine Mathestunde der mittleren Klassen. Via Webcam und jeder Menge cleveren Tricks zeigte der Lehrer den Schülern daheim vor ihrem PC wie gerechnet wird. Dabei kann jedes Kind auch Fragen stellen und alle anderen hören dies. Alle anderen Unterrichtsfächer, wie Sprachen, Geschichte, Sport (!), usw... werden auch gelehrt. Die Ausbildung über diese große Distanz ist staatlich anerkannt und die Kinder sind nach der 9. Klasse fähig ein Internat zu besuchen. Jedes Jahr gibt es mind. 2 Treffen aller Kinder (samt Familien) in Alice Springs, was immer als ein riesiges Fest gefeiert wird. Beide Organisationen sind staatlich gestützt, leben aber von den Spenden gütiger Menschen. Die Patienten bzw. Schüler müssen für den sehr aufwendigen Service nichts zahlen! Eine sehr gute Sache, wie wir finden!


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