Donnerstag, 15. Juli 2010

Im Norden vom Westen

Wenn die meisten an Broome denken, schwärmen sie von Strand, Muscheln und tollen Perlen – bei uns kommt noch ein exzellentes Offroad-Abenteuer hinzu! Aber beginnen wir mit weniger schmutzigen Themen. Vor vielen vielen Jahren fanden japanische Perlentaucher im Wattenmeer vor der Küste Broomes die kostbaren Schmuckperlen und brachten diesem Dorf damals jede Menge Ruhm. Heute werden diese Perlen im großen Stil gezüchtet und in der herangewachsenen Stadt vermarktet. Perlen brauchen Zeit! Insgesamt dauert das Aufbauen einer kleineren Perle ca. 180 Tage – von der Beimpfung der Muschel mit einem kleinen Kalkkeim bis zur vorsichtigen Entfernung der weißlichen Kugel. Trotz des Touristenbooms und des lockenden Reichtums hat sich Broome den Charme eines kleinen chinesischen Dorfes erhalten und prahlt mit einem riesigen und hübschen Chinatown. Auch sonst war die Stadt recht schön. Am berühmten Cable Beach konnte man herrlich baden gehen, den, je nach Gezeiten, 200-300 m breiten Strand genießen und Kamel-Karawanen beobachten wie sie zahlungswillige Touris durch den Sonnenuntergang wackeln. Als Übernachtungsplatz suchten wir uns einen kleinen, feinen Campingplatz nahe der Cape Leveque Road aus. Die Strasse dahin hatte zwar eine Empfehlung für Allradfahrzeuge, doch wir kamen ohne Probleme auch mit Rudi hindurch. Leider fing es nachts an zu regnen und es hörte auch den folgenden Tag nicht auf – und dies in der Trockenzeit, wo es normalerweise NIE regnet. Der kleine, sandige Track, der zu unserem Schlafplatz führte, verwandelte sich im Handumdrehen zu einem kleinen Bach und wurde für unseren treuen 2-Radler unpassierbar. Auch unsere Nachbarn mit ihrem dicken Jeep trauten sich nicht loszufahren. Wir verbrachten somit einen total langweiligen Tag bei Dauerregen und Rückenschmerzen im Auto und warteten....bis zum nächsten Tag. Als es irgendwann aufhörte zu regnen und das Wasser auf dem Weg halb versickert war, riskierten wir es und schafften es auf die Cape Leveque Road zurück, die zu diesem Zeitpunkt auch schon für jeglichen Verkehr gesperrt war. Dort fuhren wir 20 Kilometer durch tiefen Schlamm, Wasserlöcher und über Sandbänke, wo wir nie gedacht hätten, dass man mit einem normalen Fahrzeug fahren kann. Dank unseres australischen Autos und ein paar Tipps von Aboriginies, haben wir alles gut und ohne Hängenbleiben durchstanden! Nur ein wenig Wasser war im Wagen, nachdem wir durch ein etwas tieferes Wasserloch gefräst sind! Wie Rudi danach aussah, könnt ihr euch sicherlich vorstellen (von der weißen Farbe war nicht mehr allzu viel zu sehen)! :-) Im Geikie Gorge Nationalpark, einem breiten Canyon, den der Fitzroy River im Laufe von Jahrmillionen in den Sandstein gefressen hat, sahen wir unser erstes freilebendes Krokodil. Es gibt Salz- und Süßwasser-Krokos (Salties und Freshies genannt), wovon aber nur erstere wirklich gefährlich sind! Die Freshies sind relativ schüchtern und büchsen immer aus, bevor man ihnen zu nahe kommen kann und essen keine menschlichen Wesen. Salties hingegen haben sich da nicht so und würgen auch gern mal einen halbverhungerten Touri hinunter. Aber auch nur die, die es verdient haben, weil sie die zahlreichen Hinweisschilder missachteten. Obwohl Rudi extreme Robustheit und Geländegängigkeit bewiesen hat (s.oben), war es uns leider nicht möglich, den 53km rauen Offroadtrack vom Highway zum Bungle Bungle Nationalpark zu fahren. Wir versuchten also unser Glück und fragten unsere Nachbarn auf dem Schlafplatz, ob sie uns mitnehmen könnten. Katja brauchte weniger als 1 Minute und schon hatten wie unseren „Lift“ im Geländewagen. Mit Warren und Margret aus NSW verbrachten wir einen wundervollen Tag im Nationalpark und sahen die tollsten Sandsteinformationen, die wir uns vorstellen konnten. Die wie Bienenkörbe (Bee hives) geformten Hügel und Felsen bildeten eine tolle Atmosphäre zum Wandern und Fotos machen. Die 2 Highlights dabei waren die Cathedral Gorge und die Echidna Chasm. Wie der Name schon sagt, fühlte man sich wirklich wie in einer Kirche, da das in der Regenzeit tobende Wasser hier eine Hohlraum von immensen Ausmaßen in den Fels geknabbert hat. Alle senkten die Stimme, um kein Echo zu hinterlassen. Es war außerdem schön kühl dort, sodass man den draußen herrschenden 34 °C entkommen konnte. Auf dem Rückweg sahen wir auch eine etwas größere Echse (einen Baby Goanna) – ich mag diese Tierchen! Der Echidna Chasm im Norden des Parkes ist komplett anders zu den Bienenkörben im südlichen Teil. Er ist soetwas wie ein Klamm, ein Spalt, den das Wasser mehrere 100 senkrechte Meter tief hinterlassen hat. Nach 300m, die wir hineinliefen, ist die Schlucht auf Schulterbreite zusammengeschrumpft – das war vielleicht eng! Die geniale Erscheinung wurde zusätzlich noch von den Palmen am Eingang des Klamms verstärkt – einfach traumhaft! Diese Livistona-Palmen sind Überbleibsel aus der Zeit, als sich hier (vor mehreren Millionen Jahren) ein Ozean befand, auch in den Felsen kann man ab und zu ein paar Fossilien erkennen. Wir entschieden uns einstimmig, diesen Ort in die Liste der drei schönsten Spots Australiens aufzunehmen. Neben dem Ayers Rock bzw. den Olgas im Outback und dem Ningaloo Riff kommt jetzt der Purnululu (Bungle Bungle) NP dazu! Gekrönt wurde der schöne Tag noch mit einer aufregenden und rasanten Offroadfahrt. Warren schickte seinen nagelneuen, 95.000 Dollar teuren, Toyota Landcruiser mit 4,5L V8 über eine hügelige und kurvige Dreckpiste und durch knietiefe Wasserlöcher. Wie einfach das mit Monsterreifen (400 Dollar das Stück) und hoher Bodenfreiheit sein kann – unser Holden wäre hier zerbrochen! Aber zum Glück hat er ja den Tag auf dem Parkplatz verbracht und auf den Caravan von Warren und Margret aufgepasst. ;-)

2 Kommentare:

  1. Hey, wieso schreibt hier keiner mehr Kommentare?!? Gefällt´s euch denn nicht mehr???
    :-(
    Los, haut in die Tasten und meldet euch...!
    Liebste Grüße vom Christian.

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  2. sorry, wenns hier nicht so heiß wäre, wären wir auch nicht so träge :-) Mir gefallen eure Kurzberichte, aber hey du hasts gestern erst reingestellt - da sieht nicht gleich jeder, dass es was neues zu lesen gibt. Die Bilder sind wieder voll schön, aber manchmal denk ich ihr schreibt heimlich ausm reiseführer ab ;-)
    viel spaß euch noch

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